Magazin Filmkunsttheater senkt durch Dämmung den Heizwärmebedarf

Best Practice-Beispiel

Das Magazin Filmkunsttheater in Hamburg-Winterhude spart dank Dämmung der obersten Geschossdecke rund dreißig Prozent seines Heizenergiebedarfs ein. Das Traditionshaus mit seinem großen, ovalen Kinosaal befindet sich im Inneren einer Garten­hofanlage, die der Stadtplaner und Architekt Fritz Schumacher in den 1930er Jahren als Heimstätte für Arbeiter- und Rentner­familien konzipiert hatte. „Da unser Gebäude unter Bestands- und Denkmalschutz steht, lassen sich viele Modernisierungen oder Umbauten bei uns nicht realisieren“, erklärt Jakob Rademacher, Theaterleiter vom Magazin.

 

Als während der Corona-Zeit der Mietvertrag des Kinos auslief, stellte sich für die Betreiber Jakob Rademacher und Arndt Eggers die Frage, ob sich die Weiterführung des Programmkinos rechnet. „Unser Vermieter hat uns seine Unterstützung angeboten, damit wir das Kino weiter betreiben können“, berichtet Jakob Rademacher. Die Nord-Immo Management bot den Kinomachern an, zu investieren und eine Lüftungsanlage in den Kinosaal einzubauen. „Um möglichst viel Energie und Kosten zu sparen, haben wir uns für eine Dämmung der Zwischendecke entschieden.“

 

Diese Rechnung ist aufgegangen, denn der Heizwärmebedarf ist seit der Dämmung der obersten Geschossdecke erheblich gesunken. Der Heizenergieverbrauch des Magazin Filmkunsttheaters lag in den Jahren vor den Corona-bedingten Schließungen 2018 bei 139.751 kWh und betrug 2019 insgesamt 144.596. „Unser witterungsbereinigter Verbrauch sinkt Jahr für Jahr“, berichtet der Theaterleiter. Im Vergleichsjahr 2024 belief sich der Heizenergieverbrauch auf 98.470 kWh.

Der 22m lange und 16 m breite Kinosaal mit insgesamt 370 Sitzplätzen verfügt über ein Raumvolumen von etwa 2.275 m³. Zudem werden noch etwa 60 qm Nebenflächen im Magazin mitbeheizt. Um Wärmeverluste zu minimieren, ist die ca. 220 qm große Zwischendecke mit Mineralwolle gedämmt worden. Als Maßeinheit für den Wärmeverlust dient der Wärmedurchgangskoeffizient U-Wert. Je niedriger der U-Wert ist, umso besser ist die Wärmedämmung. Da es vor 1984 keine Pflicht zur Dämmung gab, muss bei einer nachträglichen Dämmung ein bestimmter U-Wert erreicht werden.

 

Bei einer Dämmung der obersten Geschossdecke darf der U-Wert laut Gebäudeenergiegesetz (GEG §47) nicht höher als 0,24 Watt pro Quadratmeter und Kelvin liegen. Damit die Wärmeverluste entsprechend sinken, wird je nach Art des eingesetzten Dämmstoffes eine entsprechend dicke Dämmschicht benötigt. Bei Altbauten empfiehlt es sich, zusätzlich zu den gesetzlich erforderlichen zwölf bis 18 Zentimetern eine um zehn Zentimeter dickere Dämmschicht zu verwenden. „Wir haben eine 28  Zentimeter dicke Dämmschicht aus Mineralwolle eingebaut“, berichtet der Theaterleiter.

 

Durch den geringeren Heizwärmebedarf sind sowohl die Kosten als auch die CO₂-Emissionen im Kino gesunken. Seit dem Spätsommer 2025 verfügt das Magazin zudem über eine neue Wärmeversorgung. Bislang war das Kino in dem Quartier mit 470 Wohnungen zentral an eine Gasheizung angeschlossen.  „Im Zeitraum Mai bis Ende August ist bei uns ein Fernwärmeanschluss installiert worden“, sagt Jakob Rademacher.

 

Das Wärmeplanungsgesetz sieht vor, dass Städte und Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohner*innen bis Mitte 2026 einen Wärmeplan erstellen müssen. Das Ziel ist, die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken und auch im Gebäudesektor bis 2045 eine Treibhausneutralität zu erreichen. Die kommunale Wärmeplanung ist ein zentrales Instrument, um die Transformation der städtischen Wärmeversorgung strategisch umzusetzen.

 

In der Industrie- und Hafenstadt Hamburg können standorttypische Potenziale wie Abwärme aus Industrie, Wärme aus Abwasser und Müllverwertung für eine klimafreundlichere Fernwärmeversorgung erschlossen und lokal genutzt werden. Die Hamburger Energiewerke wollen damit die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffimporten reduzieren und eine langfristige Versorgungssicherheit gewährleisten. Bis 2028 soll der Anteil der klimaneutralen Wärme im 900 Kilometer langen Fernwärmenetz der Stadt Hamburg auf 50 Prozent gesteigert werden. Bislang dienen noch Erdgas, Steinkohle, Leichtöl, Biogas und Abfall als Energieträger, um Wärme in das Stadtnetz einzuspeisen.