600 Milliarden Euro für den Ausbau des europäischen Stromnetzes

Immer mehr Kinos produzieren einen Teil ihres Stroms mit einer Solaranlage auf dem eigenen Hausdach. Für die Installation einer Photovoltaikanlage kann finanzielle Unterstützung bei der FFA oder dem Zukunftsprogramm Kino der BKM beantragt werden. Im Jahr 2023 hat der Photovoltaik-Zubau deutschlandweit kräftig zugelegt. Dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur zufolge sind im Zeitraum von Januar bis Ende Oktober 2023 mehr als 11,7 Gigawatt PV-Leistung installiert worden. Damit beläuft sich die kumuliert installierte Photovoltaik-Leistung in Deutschland auf knapp 80 Gigawatt. Bis zum Jahr 2030 wird eine Photovoltaik-Leistung von 215 Gigawatt in Deutschland anvisiert.

 

Das Marktstammdatenregister (MaStR) ist das behördliche Register des Strom- und Gasmarktes, in dem alle ortsfesten Stromerzeugungs-Anlagen und Batteriespeichersysteme unabhängig von ihrer Größe registriert werden müssen. Wenn keine Registrierung erfolgt ist, sind die Netzbetreiber nach der Marktstammdatenregisterverordnung (§ 23 Absatz 1 MaStRV), die im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) geregelt ist, dazu angehalten, die Auszahlung der Vergütung nach dem EEG oder Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz vorübergehend zu stoppen. Die Bundesnetzagentur verzeichnet derzeit rund 2.000 fehlende Registrierungen von Einheiten mit einer Leistung von mehr als 30 kW. Die Anlagenbetreiber*innen erhalten in den kommenden Wochen ein Erinnerungsschreiben. Zudem kann gegebenenfalls ein Verwaltungsverfahren gegen sie eingeleitet werden.

 

Eine aktuelle Datenbasis, die Aufschluss über die Leistungen der angeschlossenen Stromerzeugungs-Anlagen gibt, ist für den Ausbau der Stromnetze relevant. Um das Potenzial der Photovoltaik-Anlagen voll ausschöpfen zu können, müssen die Stromnetze effizienter funktionieren und weiter und schneller ausgebaut werden. Miteinander verbundene und stabile Energienetze sind das Rückgrat des EU-Energiebinnenmarktes und bilden somit eine Voraussetzung für die Energiewende. Zur Umsetzung des Europäischen Grünen Deals hat die EU-Kommission einen Aktionsplan entwickelt, mit dem die zentralen Herausforderungen in den Bereichen Ausbau, Digitalisierung und bessere Nutzung der Stromübertragungs- und -verteilungsnetze in der EU adressiert werden.

Der Stromverbrauch in der EU wird bis 2030 schätzungsweise um rund 60 Prozent steigen. Das erfordert eine Digitalisierung, Flexibilisierung sowie eine Dezentralisierung der Netze, in die immer mehr Erneuerbare Energien von Millionen von PV-Dächern, aus Offshore-Quellen oder durch die Erzeugung von Wasserstoff eingespeist werden. Gleichzeitig steigt durch das Laden von Elektrofahrzeugen oder den Betrieb von Wärmepumpen die Anzahl der Abnehmer. Deshalb soll die grenzüberschreitende Übertragungskapazität bis 2030 verdoppelt werden. Da 40 Prozent der Verteilungsnetze in der EU über 40 Jahre alt sind, muss entsprechend in die Modernisierung der Stromübertragungs- und -verteilungsnetze investiert werden. Die Europäische Kommission beziffert den Investitionsbedarf für den Ausbau des Stromnetzes und der Modernisierung der Infrastruktur auf 584 Mrd. Euro.

 

Der Aktionsplan sieht einen Katalog von verschiedenen Maßnahmen auf mehreren Ebenen vor, um diese Investitionen zu mobilisieren. Dazu gehört, Vorhaben von gemeinsamem Interesse und Entwicklung neuer Projekte durch politische Steuerung zu beschleunigen. Um mehr Strom aus erneuerbaren Quellen einschließlich Wasserstoff ins Energiesystem integrieren zu können, muss die langfristige Netzplanung durch eine Steuerung der Arbeit der Netzbetreiber sowie der nationalen Regulierungsbehörden verbessert werden. Ein leichterer Zugang zu Finanzmitteln für Netzprojekte, regulatorische Anreize für eine grenzüberschreitende Kostenteilung bei Offshore-Projekten sowie mehr Transparenz und attraktivere Netztarife für intelligentere Netze können einen zügigeren Netzausbau begünstigen.

 

Die Genehmigungsverfahren des Netzausbaus lassen sich beschleunigen, indem Interessenträger und Gemeinschaften als technische Unterstützung für Behörden eingebunden werden. Ein weiterer Punkt bezieht sich auf die Verbesserung und Sicherung der stromnetzbezogenen Lieferketten. Ein Schlüssel dafür wäre eine Harmonisierung bei der industriellen Herstellung von Ausrüstung, die für die Anschlüsse von Stromerzeugungsanlagen sowie für Lastanschlüsse benötigt wird.

 

Die Modernisierung der Stromnetze und die Stärkung der Energieinfrastruktur ist notwendig, um den REPower-Plan der EU umzusetzen, der bis 2030 eine Steigerung des Anteils der Erneuerbaren Energien auf 42,5 Prozent vorsieht. Mit der überarbeiteten Erneuerbare-Energien-Richtlinie, der Reform des Strommarkts sowie Vorschlägen für eine Netto-Null-Industrie-Verordnung hat die Kommission einen Rechtsrahmen für den Ausbau der Stromnetze geschaffen. Das Ziel ist,  Investitionen in saubere Technologien in Europa zu stärken und bei der Umstellung auf Klimaneutralität eine Führungsrolle zu übernehmen.