Europaweite ETS-2-Einführung zur Beschleunigung der Energiewende

Bis 2030 müssen die Netto-Treibhausgasemissionen in der EU um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Da die aktuellen Maßnahmen nicht ausreichen, um die europäischen Klimaziele zu erreichen, wird ab dem 1. Januar 2027 ein neues EU-Emissionshandelssystem  (ETS-2) eingeführt, das eine europaweite Bepreisung von CO₂ in den Bereichen Gebäude und Verkehr vorsieht. Mit der CO₂-Bepreisung von fossilen Brennstoffen sollen stärkere ökonomische Anreize zu einer Emissionsreduktion geschaffen werden. Dadurch sind Kraftstofflieferanten künftig gefordert, CO₂-Zertifikate zu ersteigern, um in diesen Sektoren ihre Emissionen auszugleichen.

 

Deutschlands Anteil an den europaweiten Emissionen aus den vom ETS-2 erfassten
Sektoren beläuft sich auf fast ein Viertel. Aus diesem Grunde wird sich die Senkung der Treibhausgasemissionen in Deutschland im Gebäude- und Verkehrssektor substanziell auf die Höhe des EU-weiten CO₂-Preises auswirken, der auf Heizöl und -gas, Benzin und Diesel erhoben wird. Allerdings wird die CO₂-Bepreisung allein nicht ausreichen, um die Bereiche Gebäude und Verkehr zu dekarbonisieren. Insbesondere im Gebäudebereich kommt es auch darauf an, die Energieeffizienz zu steigern, um den Energieverbrauch zu senken.

 

Umweltfreundliche Heizsysteme mit Wärmepumpen sind deutlich effizienter als Gas- und Ölheizungen. Wärmepumpen arbeiten mit einer effizienten Technologie, die Gebäude effektiv beheizen und das mit deutlich weniger Energie als klassische Heizungen. Der größte Vorteil der Wärmepumpen ist, dass die Bereitstellung von Wärme und Kälte überwiegend auf Umweltenergie basiert. Die restliche Energie wird meistens in Form von elektrischer Energie zugeführt. Je mehr Umweltenergie und je weniger Elektroenergie eine Wärmepumpe benötigt, desto effizienter arbeitet sie. Beim Einbau einer Wärmepumpe ist zudem die fachgerechte Dimensionierung entscheidend.

Bei Bestandsgebäuden orientieren sich Heizungsinstallateure mitunter an alten Verbrauchs- und Leistungsdaten der bisherigen Heizung. Da Heizungssysteme in der Vergangenheit oftmals großzügig dimensioniert und mit einem Sicherheitsaufschlag von zehn Prozent errichtet worden sind, ist diese Datenbasis nicht unbedingt für Auslegung einer neuen Wärmepumpe geeignet. Um die Effizienz und Wirtschaftlichkeit einer Anlage zu gewährleisten, müssen zahlreiche Faktoren berücksichtigt werden wie die Heizlast, die Größe des Gebäudes, die aktuelle Dämmung, der Warmwasserbedarf und die regionalen Klimadaten.

 

Der Bundesverband Wärmepumpen stellt dafür Planungstools und Werkzeuge zur Verfügung, die überwiegend kostenlos genutzt werden können. So lässt sich mit dem Heizkörperrechner ermitteln, ob und wie das hydraulische System angepasst werden muss, um gegebenenfalls die Vorlauftemperatur abzusenken. Mit dem Online-Tool Heizlastrechner lässt sich die Gebäudeheizlast nach unterschiedlichen Methoden wie beispielsweise nach Baualtersklasse, Jahresverbrauch, Volllaststunden oder Hüllfläche ermitteln. Der Jaz-Rechner dient dazu, die Jahresarbeitszahl zur Bewertung der Effizienz von Wärmepumpen nach VDI 4650-1 zu berechnen. Das Werkzeug Klimakarte gibt anhand der gewählten Postleitzahlen Aufschluss über die Jahresmittel- oder die Norm-Außentemperaturen und für wie viele Stunden im Jahr im Mittel eine bestimmte Temperatur erreicht wird.

 

Auf lange Sicht rechnen sich Wärmepumpen finanziell aufgrund der geringeren Betriebskosten. Allerdings erfordern sie einen aufwendigeren Einbau als Gasheizungen. Um die Wärmepumpeninstallation zu beschleunigen und effizienter zu gestalten, will das Fraunhofer ISE mit dem Projekt WESPE die Installation und die damit verbundenen Vor- und Nachbereitungsprozesse beim Umstieg von fossilen Heizungen auf Wärmepumpensysteme erleichtern. Das Ziel ist, über 500.000 Wärmepumpen pro Jahr neu zu installieren.

 

Damit das trotz des Fachkräftemangels im Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikgewerbe gelingen kann, sollen neue Installations- und Nachrüstprozesse leichter für das Handwerk zugänglich sein. Der Installationsprozess soll durch eine Standardisierung und Digitalisierung von Arbeitsabläufen beschleunigt werden. Zu diesem Zweck werden Arbeitsabläufe wie Bestandsaufnahme, Kundenkommunikation, Baustellenkoordination, Logistik, Materialbeschaffung und Installation hinsichtlich ihres Verbesserungspotenzials und ihrer Digitalisierungsmöglichkeiten analysiert. Das Ziel ist, durch Vereinfachung und Reduzierung von Montageschritten die Produktivität zu erhöhen.

Um die Energiewende im Gebäudebereich umzusetzen, sollen in Deutschland bis 2030 rund sechs Millionen Wärmepumpen-Systeme installiert werden.