Erneuerbare Energien wieder im Aufwind
In den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 sind fast 57 Prozent des Bruttostromverbrauchs mit Erneuerbaren Energien gedeckt worden, wie vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigen. Der Anteil Erneuerbarer Energien liegt damit auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahreszeitraum. Das ungewöhnlich windschwache 1. Quartal 2025 konnte durch eine gestiegene Photovoltaik-Erzeugung und mehr Windstrom in den Sommermonaten ausgeglichen werden.
Der starke Zubau von Photovoltaik-Anlagen in diesem und vergangenem Jahr hat dazu geführt, dass die Erzeugung von Solarstrom in den ersten neun Monaten 2025 mit 24 Prozent um knapp ein Viertel gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen ist.
In der EU war die Photovoltaik im Juni 2025 erstmals die größte Stromerzeugungsquelle und erreichte mit 45,4 Terawattstunden einen Anteil von 22,1 Prozent.
In Deutschland hat auch der Zubau von Windrädern an Land mit einem aktuellen Bruttozubau von 3,2 Gigawatt 2025 deutlich Fahrt aufgenommen. Die Stromerzeugung aus Windkraft-Anlagen an Land ist aufgrund des windschwachen 1. Quartals mit einem Minus von zwölf Prozent hinter dem Vergleichszeitraum 2024 zurückgeblieben.
Der Ausbau Erneuerbarer Energien wird in Deutschland durch das neue Gesetz zur Umsetzung der Novelle der Erneuerbare-Energien-Richtlinie 2023/2413 (Renewable Energy Directive – RED III) erleichtert, dem der Bundesrat im Juli 2025 zugestimmt hat. Die europäische Vorgabe zielt darauf ab, dass bis 2030 mindestens 42,5 Prozent des Brutto-Endenergieverbrauchs aus Erneuerbaren Quellen stammen. Durch die Richtlinie werden die EU-Staaten dazu verpflichtet, die oftmals jahrelangen Verfahren zur Genehmigung von Erneuerbaren Energien-Erzeugungsanlagen erheblich zu verkürzen.
Durch das nationale Umsetzungsgesetz werden Beschleunigungsgebiete für Windenergie an Land eingeführt. Zu diesem Zweck sollen geeignete Flächen ausgewiesen werden, auf denen Windenergie-Anlagen und Energiespeicher am gleichen Standort in einem vereinfachten Verfahren genehmigt werden können. Zudem werden dadurch die Anschlussregelungen für Windkraft-Anlagen erleichtert, deren Genehmigung ausgelaufen ist. Insgesamt sind rund 30.000 Windkraft-Anlagen an Land in Betrieb. Bis 2030 sollen in Deutschland mindestens 80 Prozent des Stromverbrauchs aus Erneuerbaren Energiequellen kommen.
In den ersten drei Quartalen 2025 lag die Bruttostromerzeugung mit 366 Mrd. kWh um 0,9 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Der aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugte Strom besaß einen Anteil von 216,0 Mrd. kWh, wovon 78,9 Mrd. kWh aus Photovoltaik, 70,5 Mrd. kWh aus Wind an Land, 32,0 Mrd. kWh aus Biomasse, 17,5 Mrd. kWh aus Wind auf See und 12,7 Mrd. kWh aus Wasserkraft stammten. Hinzu kamen 150,0 Mrd. kWh, die aus konventionellen Energieträgern erzeugt worden sind.
Die Zahlen zeigen, dass bis 2030 ein Anteil der Erneuerbaren Energien von mindestens 80 Prozent am Bruttostromverbrauch erreichbar erscheint. Zu diesem Ergebnis ist auch der Monitoringbericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) gekommen, den das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) an der Universität Köln und die Beratung für die Transformation der Energiewirtschaft (BET) erstellt haben.
„Der Ausbau muss weiter steigen”, sagt Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, „denn nur die Erneuerbaren Energien bieten dauerhaft die notwendige Resilienz und Krisensicherheit für die Energieversorgung einer starken Wirtschaftsnation wie Deutschland – vorausgesetzt sie sind intelligent vernetzt und werden durch Netzausbau und Flexibilitätsoptionen wie Batteriespeicher und Elektrolyseure optimal unterstützt.“

