Cineplex Vilsbiburg senkt dank Energieautarkie seine Kosten

Best Practice-Beispiel

Im Cineplex Kino in Vilsbiburg zahlt sich die energetische Modernisierung aus. Die gesamten Energiekosten für das 600-Sitzplätze-Miniplexkino mit 2.400 qm Kinofläche sind im Jahr 2025 um etwa ein Drittel gegenüber 2019 reduziert worden, was mit einer Ersparnis von rund 20.000 Euro zu Buche schlug. „Energieeffiziente Maschinen einzusetzen und die Elektrifizierung voranzutreiben, um eine Unabhängigkeit von Rohstoffpreisen und der Weltlage zu erreichen, ist ein lohnenswertes Ziel”, erklärt Andreas Fläxl, Geschäftsführer des 1994 erbauten Cineplex Vilsbiburg.

 

Im Zuge der 2024 erfolgten Modernisierung sind in dem 7-Saal-Kino die getrennt voneinander arbeitenden Systeme Heizung, Kälteerzeugung und Lüftung durch Sektorenkopplung in ein ganzheitliches System zusammengeführt worden. Das Herzstück der Anlage bilden fünf parallel geschaltete Luft/Wasser-Wärmepumpen, die mit der Wärme der Umgebungsluft Warm- bzw. Kaltwasser für die Lüftungsanlagen sowie für die Heizkreisläufe erzeugen. Durch den Einsatz von Pufferspeichern lässt sich der Wärmeverbrauch zeitlich von der Wärmeerzeugung entkoppeln. Die Wärmeerzeugung wird in zwei 1.600 Liter fassenden Warmwasserspeichern gepuffert.

 

Die energetische Versorgung dieses Systems erfolgt mit selbst erzeugtem Photovoltaik-Strom. Auf dem Flachdach und an der Ostfassade des Cineplex Kinos in Vilsbiburg ist eine Leistung von insgesamt 160,6 kWp installiert. „Die Dachflächen sind weitestgehend ausgereizt. Wir holen aktuell Angebote für Solar-Carports ein“, berichtet der Diplom-Ingenieur Andreas Fläxl. Die Speicherkapazität der Batterie ist 2026 von 162 kWh auf 242 kWh erhöht worden. „Die Batterie war regelmäßig bereits gegen 21 Uhr abends leer. Mit der Erweiterung können wir den Eigenverbrauch weiter stärken.“

Ziel dieses Konzeptes ist, im Rahmen einer Elektrifizierung möglichst viel regenerative Umweltenergie zu nutzen. Dank dem Betrieb der Heizungs-, Klima- und Lüftungssysteme mit selbst erzeugtem Photovoltaik-Strom liegt der Autarkiegrad im Jahresdurchschnitt bei 42 Prozent. Mit zunehmender energetischer Unabhängigkeit geht eine entsprechende Ersparnis der Energiekosten einher.

An einem Sommertag haben wir 58 Prozent Autarkie. Diplom-Ingenieur Andreas Fläxl. Geschäftsführer Cineplex Vilsbiburg

Im Jahr 2019 fielen für die Beheizung des Cineplex Kinos in Vilsbiburg für 20.000 m3 Erdgas rund 15.000 Euro an. Hinzu kamen etwa 30.000 Euro für 190.000 kWh Strom sowie weitere 14.000 Euro zum Betanken der sieben Firmenfahrzeuge mit Benzin und Diesel. Damit beliefen sich die Energiekosten auf insgesamt 59.000 Euro. „Wir hatten in den Corona-Jahren und danach teilweise sprunghafte Anstiege der Strom- und Gaskosten“, sagt Fläxl, der allein für die Beheizung des Kinokomplexes mit Gas heute zwischen 20.000 Euro und 30.000 Euro aufwenden müsste. Stattdessen beschränkten sich die Energiekosten 2025 auf ca. 40.000 Euro für 150.000 kWh Strom.

 

Einen wesentlichen Anteil an der Ersparnis hat die Wärmebedarfsberechnung, in die interne Wärmequellen des Kino- und Restaurant-Traktes sowie der Abwärme der Besucher und der technischen Geräte einbezogen wurden. Statt der ursprünglich veranschlagten 170 kW Gas-Heizleistung wurden insgesamt 80 kW Wärmepumpenleistung eingebaut. Dabei wurde berücksichtigt, dass Wärmepumpen im hocheffizienten Teillastbetrieb arbeiten und sich bei einem sehr geringen Wärmebedarf im Gebäude abschalten. „Da sind wir sehr glücklich“, versichert Fläxl. „Auch eine sehr kalte Nacht im Winter kann ohne Probleme durchstanden werden.“

Betrieben werden die Luft/Wasser-Wärmepumpen mit dem umweltfreundlichen Kältemittel R290, das auch als Propan bekannt ist. Das farblose, brennbare Gas besitzt ein extrem niedriges Treibhauspotenzial (GWP) von 3. Aufgrund seiner hervorragenden thermodynamischen Eigenschaften bietet das natürliche Kältemittel eine zuverlässige Wärmeversorgung. Dank der niedrigen Siedetemperatur, dem geringen Dampfvolumen und niedrigen Verflüssigungsdruck lassen sich damit auch bei tiefen Außentemperaturen hohe Vorlauftemperaturen erreichen. Im Gegensatz zu den Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKWs) trägt R290 als natürlicher Kohlenwasserstoff nicht zum Abbau der Ozonschicht bei, sondern ist für die Umwelt unbedenklich.

 

Nach der umfassenden energetischen Modernisierung im Cineplex Vilsbiburg sondiert der Kinobetreiber bereits weitere Optimierungen. „Das nächste Thema, das wir angehen wollen, ist die Grundlast, die mit 7 kW doch noch relativ hoch ist“, sagt Fläxl. Das möchten wir gerne noch weiter reduzieren, indem wir das ganze Haus nach Geräten durchgehen, die 24/7 Strom fressen“.