Zebra Kino in Konstanz wird mit Fassadenbegrünung zum Blickfang

Best Practice-Beispiel

Das Zebra Kino in Konstanz verfügt dank des wilden Weins, der sich an der Fassade hochrankt, über eine natürliche Klima-Anlage. Gebäudewände, die von Pflanzen geschützt werden, erwärmen sich im Sommer höchstens bis auf 30 Grad Celsius. Währenddessen können sich ungeschützte Wände an heißen Frühjahrs- oder Sommertagen auf Temperaturen bis zu 60 Grad aufheizen.

 

Die Häufigkeit und Intensität von Hitzeeinwirkungen nimmt in Europa stärker zu als auf anderen Kontinenten. 2025 war weltweit das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Mit einer Durchschnittstemperatur von rund 10,4 Grad war es nur minimal kühler als das Rekordwärme-Jahr 2024. Die Hitze-Kuppel über Westeuropa, die in der letzten Mai-Woche über mehrere Tage für ein großes und stabiles Hochdruckgebiet mit neuen Mai-Temperatur-Rekorden gesorgt hat, werten Meteorologen als ein Zeichen dafür, dass sich im Zuge des Klimawandels ein höheres Temperaturniveau verstetigt.

 

In den Städten ist die Klimaerwärmung besonders deutlich zu spüren. Aufgrund der steigenden Durchschnittstemperaturen bilden sich in den engen Straßen Wärmeinseln und es erfolgt ein geringerer Luftaustausch. Das führt dazu, dass die durch die Sonne aufgeheizten Fassaden, Straßen und Plätze die Wärme in der Nacht wieder abgeben und zur starken Erwärmung in der Stadt beitragen. Das Zebra Kino profitiert von der Fassadenbegrünung, da durch die Verschattung der etwa 23 Meter breiten und elf Meter hohen Front weniger Sonnenlicht reflektiert wird und sich das Gebäude daher nicht so stark erhitzt.

Auch optisch wird die Fassade durch die Begründung aufgewertet. „Unsere begrünte Hauswand ist längst Teil der Atmosphäre rund um den Besuch im Zebra Kino geworden“, erklärt Theresa Klein, die als Theaterleiterin gemeinsam mit Christoph Sinz das Kommunale Kino in Konstanz führt.

Viele Gäste bestaunen den wilden Wein schon beim Ankommen, besonders im Herbst, wenn sich die Blätter rot und orange färben. Theresa Klein, Theaterleiterin im Zebra Kino in Konstanz

„Schon vor dem Film bietet sich hier ein kleiner Moment zum Innehalten“, erklären die Kinobetreiber*innen. „Gerade in der Stadt wirkt so ein Stück Grün besonders einladend und trägt zur gemütlichen Atmosphäre unseres Kinos bei.“

 

Pflanzen produzieren frische, kühle Luft, da über ihre Blätter Wasser verdunstet. Zudem binden sie verschiedene Schadstoffe, die sich in der Luft befinden. Kletter- und Rankpflanzen wie der dreilappige Zierwein können Stickstoffdioxid, Ozon, Schwefeldioxid und sogar bis zu 60 Prozent Feinstaub aufnehmen. Die Schadstoffe werden vom Regen abgewaschen und durch das Substrat unter den Pflanzen aus dem Wasser gefiltert.

 

Der wilde Wein ist eine sehr beliebte Pflanze für die Fassadenbegrünung, da er ohne eine spezielle Rankhilfe auskommt. Dank seiner winzigen Haftscheiben kann der Selbstklimmer die kleinsten Unebenheiten nutzen, um sich an Wänden festzusaugen. Diese robuste Pflanze gedeiht sowohl an sonnigen als auch an schattigen Standorten. Da wilder Wein zwischen zwei bis drei Meter pro Jahr wachsen kann, dient er als schneller Verschönerer von Mauern und Hauswänden.

Diese “Grüne Architektur” trägt in den Städten auch zur Artenvielfalt bei, denn für viele Tierarten ist der Lebensraum in der Stadt knapp, da natürliche Areale wie Brachen und unbebaute Flächen immer seltener werden. Das Fassadengrün kann Abhilfe schaffen, denn wilder Wein dient beispielsweise Bienen als Nektarquelle. Spatzen und Amseln finden in den Zweigen Nahrung und Unterschlupf. Zudem wirkt dichtes Laub leicht geräuschdämpfend.