Wärmewende in den Orpheum Lichtspielen
Best Practice-Beispiel
In den Orpheum Lichtspielen in Schönberg wird Schritt für Schritt die Wärmewende umgesetzt. Für die Beheizung dieses Bestandsgebäudes hat der Kinobetreiber Stefan Scholz Luft-Luft-Wärmepumpen installiert, deren Betrieb wesentlich umweltschonender und effizienter ist als die bisherige Gas-Brennwertheizung. Der Diplom-Ingenieur hat sowohl die Beschaffung als auch den Einbau der Wärmepumpen selbst vorgenommen.
„Ich habe die Wärmepumpen bei einem Großhändler in Mailand bestellt“, berichtet Scholz, der das alte Filmtheater in Mecklenburg-Vorpommern bereits Mitte der 1990er Jahre übernommen hat. Das Kino, das am 4. November 1956 unter dem Namen Fritz-Reuter-Lichtspiele eröffnet worden war, gehörte mit seiner Projektions-Anlage damals zu den modernsten Kinos. Seit der Wiedereröffnung des Filmtheaters im Jahr 1995 werden in dem kleinen Ort mit 5.000 Einwohner*innen Einzelvorstellungen angeboten, wozu unter anderem Kinderkino und Theateraufführungen gehören.
Im Zuge der energetischen Sanierung hat der Kinobetreiber zunächst die 250 qm große Kinodecke neu gedämmt. „Wir haben die bestehende zehn cm dicke Schilfgras-Dämmung erneuert“, erklärt Scholz. „Der Vorteil von Schilfgras ist, dass es aufgrund des Salzgehaltes nicht brennbar ist und zugleich feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften besitzt.“ Verstärkt worden ist die Innendämmung durch eine zehn cm dicke Perlite-Dämmung, die über hohe Hitzebeständigkeit und gute Brandschutzeigenschaften verfügt.
Perlit ist ein vulkanisches Gestein, das als Granulat oder in Form von Dämmplatten verarbeitet wird. Während des Produktions- und Verarbeitungsprozesses werden die Lava-Kügelchen kurzzeitig Temperaturen bis zu 1.000 Grad Celsius ausgesetzt und blähen sich auf das Fünfzehn- bis Zwanzigfache ihrer ursprünglichen Größe auf. Um aus diesem nachwachsenden Rohstoff Dämmplatten herzustellen, wird das Perlite-Granulat mit Stoffen wie Zellulose, Mineralfasern oder Stärke versetzt.
In den Orpheum Lichtspielen wird die Wärmedämmung zusätzlich durch den Einsatz von Kunststofffolien optimiert. „Durch die Reflexion werden 95 Prozent der Infrarotstrahlung zurückgeworfen“, erläutert Scholz. „Diese Technologie wird auch in Raumschiffen eingesetzt, denn beim Eintritt in die Atmosphäre entsteht Wärme.“
Zur Beheizung des Gebäudes, das inklusive dem Kinosaal und Foyer eine Gesamtfläche von 4.500 qm aufweist, hat der Kinobetreiber Ende 2025 eine erste Wärmepumpe installiert. „Die alte Gasheizung ermöglichte mit 38 kW Leistung ein schnelles Aufheizen, aber sie lief immer nur im Teillastbetrieb“, sagt der Kinobetreiber.
Die Berechnung der Wärmelast an kalten Tagen für den Wohnbereich im ersten Stockwerk hat er auf 8 kW bis 10 kW dimensioniert. Die erste Luft-Luft-Wärmepumpe wurde zum Jahreswechsel 2025/2026 in Betrieb genommen und lief bis Mai 2026. Die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe, die den Faktor bezeichnet, wieviel Wärmeenergie mit einer Kilowattstunde (kWh) Strom erzeugt wird, liegt bei 4. „Im Mai ist dieser Wert im Zuge steigender Temperaturen sogar auf 7 angestiegen.“
Um das gesamte Gebäude mit Umgebungsluft zu beheizen, hat der Kinobetreiber zwei weitere Wärmepumpen beim Großhändler bestellt, die inzwischen dreißig Prozent günstiger geworden sind. Die Wärmepumpe für den 13 x 20 m großen Kinosaal ist auf 16 kW ausgelegt. Die dritte Wärmepumpe zur Beheizung des Foyers und der Sanitärräume wird noch eingebaut.
In den modernen Wärmepumpen von Hitachi wird als Kältemittel R32 eingesetzt. Difluormethan (CH₂F₂) ist ein reines, teilfluoriertes Kohlenwasserstoff-Kältemittel, das mit einem Erderwärmungspotenzial (Global Warming Potential – GWP) von 675 und deutlich klimafreundlicher ist als klassische Kältemittel wie R410A. Da R32 mit geringerem Druck arbeitet, benötigt es weniger Energie als vergleichbare Kältemittel. Im Zuge der F-Gase-Verordnung unterliegt R32 verschärften EU-Regulierungen, doch bestehende Anlagen dürfen unbegrenzt weiterbetrieben werden. „Mir war es wichtig“, versichert Scholz, „mit R32 ein Kältemittel einzusetzen, das schwer entflammbar ist.“







