EU schiebt falschen Umweltaussagen einen Riegel vor

Aufgrund der wachsenden Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten werden immer mehr Waren als „umweltfreundlich“, „natürlich“, „biologisch abbaubar“, „klimaneutral“ oder „ökologisch“ vermarktet. Ob kompostierbare Kaffebecher, bienenfreundliche Säfte oder hundertprozentig CO2-kompensierte Lieferungen – für die Verbraucher erschließt sich oftmals nicht, auf welcher Grundlage diese Angaben beruhen. Mittlerweile gibt es mehr als 1.200 verschiedene Umweltausagen und Nachhaltigkeitssiegel in der Europäischen Union, von denen nur 35 Prozent ihre ausgewiesene Umweltleistung tatsächlich belegen können.

 

Aufgrund dieser irreführenden Werbung wird es immer schwieriger zu unterscheiden, welche Firmen wirklich nachhaltige Produkte und Dienstleistungen anbieten. Um das Vertrauen der Verbraucher*innen in echte Umweltbemühungen zu stärken und der zunehmenden „Grünfärberei“ eine Ende zu setzen, hat das Europäische Parlament mit großer Mehrheit die Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel durch besseren Schutz gegen unlautere Praktiken verabschiedet, die nicht belegte Umweltaussagen künftig verbietet.

 

Durch die neue Richtlinie wird es künftig untersagt, dass ein Produkt durch CO2-Kompensationen reduzierte, neutrale oder gar positive Auswirkungen auf die Umwelt besitzt. „Es wird Unternehmen nicht mehr möglich sein, die Menschen irrezuführen, indem sie beispielsweise behaupten, dass Plastikflaschen ökologisch sind, weil irgendwo Bäume gepflanzt werden, oder dass ein Produkt nachhaltig ist, ohne die Gründe dafür offenzulegen“, erklärt Biljana Borzan, Berichterstatterin im Europa-Parlament in Straßburg. Investitionen von Unternehmen in Klimaschutzprojekte dürfen weiterhin kommuniziert werden, aber nicht mehr den Anschein erwecken, dass Produke oder Dienstleistungen durch den Kauf von Emissionsgutschriften klimaneutral sind.

Auch die Verwendung von Nachhaltigkeitssiegeln wird wesenlich strenger reguliert. In Zukunft sind in der EU nur noch Nachhaltigkeitssiegel erlaubt, die auf offiziellen Zertifizierungssystemen beruhen oder von staatlichen Stellen eingeführt worden sind. Bislang lässt sich oft nicht nachprüfen, wie umweltfreundlich die Produkte tatsächlich sind. Die neuen Vorschriften sollen zudem bewirken, dass die Hersteller mehr Gewicht auf die Langlebigkeit von Produkten legen. Ein neues einheitliches Etiketts soll Produkte mit verlängerter Garantiezeit hervorheben. Zudem werden unbegründete Aussagen zur Haltbarkeit von Verbrauchsgütern verboten, die dazu auffordern, diese früher als nötig auszutauschen.

 

Die neue Richtlinie muss noch vom Rat gebilligt werden. Im Anschluss daran haben die EU-Staaten 24 Monate Zeit, das Verbot irreführender Produktinformationen in nationales Recht umzusetzen. Ergänzt werden soll diese Gesetzesregelung durch die Green-Claims-Richtlinie, die detaillierte Bedingungen für die Verwendung umweltbezogener Aussagen in der Unternehmenskommunikation festlegt. Die im März 2023 von der EU-Kommission vorgeschlagene Richtlinie über grüne Werbeaussagen zielt darauf ab, die Transparenz, Glaubwürdigkeit und Kohärenz von umweltbezogenen Angaben zu verbessern. Die Green Claims-Richtlinie wird für alle Unternehmen in allen Sektoren gelten, die Waren und Dienstleistungen in der EU verkaufen.

 

Die Richtlinie soll gleiche Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen schaffen, die wirklich nachhaltige Produkte und Dienstleistungen anbieten. Die Umweltauswirkungen von Produkten und Dienstleistungen sind anhand von standardisierten Kriterien wie beispielsweise Daten zum Lebenszyklus eines Produkts, seinem CO2-Fußabdruck oder der Einhaltung bestimmter Nachhaltigkeitsstandards zu belegen. Als visuelle Orientierungshilfe für Verbraucher*innen sind einheitliche Symbole für nachhaltige Produkte vorgesehen. Die Richtigkeit der Angaben soll durch unabhängige Audits oder anerkannte Umweltstandards gewährleistet werden.