Rekordquote beim Recycling von Kunststoffverpackungen

Seit Einführung der Mehrwegangebotspflicht sind zahlreiche Kinos in Deutschland dazu übergegangen, Getränke wie Softdrinks ausschließlich in Mehrwegbechern anzubieten. Die Wiederverwertung von sogenannten Serviceverpackungen steht direkt nach der Vermeidung oben in der Abfallhierarchie. Auch für Popcorn und Nachos werden in einigen Filmtheatern bereits Mehrweglösungen wie Schalen eingesetzt. Zahlreiche klassische Concession-Produkte wie Chips, Eis oder Schokolinsen werden oftmals nur in Einwegverpackungen angeboten für die nach dem Verpackungsgesetz (VerpackG) eine Lizenzgebühr an das duale System entrichtet werden muss.

 

Kontrolliert wird dieses System von der Zentralen Stelle Verpackungsregister, bei der sich die Unternehmen in dem Verpackungsregister LUCID registrieren müssen. Während Kinobetreiber*innen für vor Ort befüllte Serviceverpackungen wie Becher oder Popcorn-Tüten eine Abgabe zahlen müssen, besteht bei bereits zuvor befüllten Produktverpackungen nur die Nachweispflicht, dass die Lieferanten die Lizenzsabgabe entrichtet haben.

 

Das duale System dient dem Zweck, dass die Hersteller über Lizenzentgelte das Recycling von sogenannten Leichtverpackungen finanzieren, die über die Gelbe Tonne entsorgt werden. In Deutschland werden über das duale System jährlich mehr als 2,63 Mio. Tonnen Abfall gesammelt. Darunter befinden sich Verpackungen aus unterschiedlichen Materialien wie Kunststoffe, Weißblech, Aluminium, Kunststoffverbunde, Papier-Kunststoffverbunde und Flüssigkeitskartons, jedoch auch Verpackungen, die nicht recyclingfähig sind.

 

Das Umweltbundesamt und die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) haben aktuelle Zahlen zum Verpackungsrecycling vorgelegt und dabei mit den weitverbreiteten Mythen zum Verpackungsrecycling aufgeräumt. „Erstmals wurden mehr als 70 Prozent der Kunststoffverpackungen dem werkstofflichen Recycling zugeführt“, berichtet Dr. Bettina Rechenberg, Fachbereichsleiterin Kreislaufwirtschaft beim UBA. „Den Irrglauben, es würde sowieso alles verbrannt, können wir damit eindrucksvoll widerlegen.“

Insgesamt gibt es in Deutschland 43 Anlagen zur Sortierung von Leichtverpackungen, in denen die Trennung der Verpackungsabfälle weitestgehend automatisiert in bis zu siebzehn Fraktionen erfolgt. In modernen Sortieranlagen werden verschiedene Techniken und Anlagen verwendet, um Kunststoffverpackungen beispielsweise nach Kunststoffart und Verpackungstyp voneinander zu trennen. Mit Hilfe einer  Siebmaschine wird der Verpackungsabfall zunächst nach der Größe separiert.

 

Mittels Luftstrom erfolgt eine Trennung leichter Materialien. Zudem kommen Magnetscheider zum Separieren von eisenhaltigen Bestandteilen zum Einsatz sowie sensorbasierte Sortierautomaten, die per Nahinfraroterkennung Materialien wie Kunststoffe und faserbasierte Verpackungen separieren können. Per Nahinfrarot-Reflexionsmessung ist es möglich, trotz Etiketten die Materialzusammensetzung zu erkennen.

 

Generell hängt es von den Materialeigenschaften, der Gestaltung und den Etiketten ab, ob die Verpackungen von Sensoren erkannt und den jeweilgen Stoffströmen zugeordnet werden können. So gelten schwarze Verpackungen als nicht sortierbar, da für die Farbgebung Pigmente aus Ruß eingesetzt werden, die von den optischen Sortiersystemen nicht erkannt werden können.

So leistungsfähig Sortier- und Recyclinganlagen auch sind – sie können nicht ausgleichen, was beim Verpackungsdesign versäumt wird. Gunda Rachut, Vorstand der Zentralen Stelle Verpackungsregister

Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) schreibt deshalb strengere Anforderungen an die Recyclingfähigkeit von Verpackungen vor. Ab 2030 dürfen die Hersteller nur noch Verpackungen auf den Markt bringen, die wiederverwendbar oder zu mindestens 70 Prozent stofflich verwertbar sind. „Entscheidend ist die konsequente Umsetzung recyclinggerechten Designs“, betont Rachut.

 

Bei den Verpackungen aus Glas konnte 2024 mit 1,8 Millionen Tonnen gesammelten Altglas nicht die Zielquote von 90 Prozent erreicht werden. Grund dafür ist, dass zu viel Altglas im Restmüll verloren geht, weil es nicht ausreichend Containerstellplätze für die Altglasentsorgung gibt. Auch dabei gibt es die verbreitete Annahme, dass das Altglas bei der Containerleerung wieder vermischt werde. Das ist nicht jedoch nicht der Fall, da moderne Sammelfahrzeuge das gesammelte Glas in separaten Kammern transportieren, damit das Weiß-, Grün- und Braunglas getrennt in der Glashütte angeliefert werden kann.