Extremwetterereignisse: Prävention gegen Hagelschlag

Extremwetterereignisse wie Hitzewellen und katastrophale Überflutungen durch Starkregen sind Folgen des Klimawandels, die auch in Deutschland stetig zunehmen. Neben dem Klimaschutz gewinnen Klimaanpassung und Klimaresilienz an Bedeutung. Auch Kinos sind gefordert, sich mit verschiedenen Maßnahmen gegen Hochwasser, Starkregen und Hagel zu schützen.

 

Allein der heiße Extremsommer hat in Deutschland neben Schäden durch Dürre und Niedrigwasser zu Produktivitäts- und Produktionsausfällen sowie Gesundheitsfolgen geführt, die volkswirtschaftliche Schäden von rund 36 bis 42 Milliarden Euro verursacht haben, was etwa 0,8 bis 0,9 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. „Die tatsächlichen Kosten dürften noch höher liegen, weil zahlreiche ökologische und indirekte Folgeschäden bislang nicht vollständig beziffert werden können“, sagt Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). „Die Kosten des Nichthandeln sind sehr viel höher als die Kosten des Handelns.“

 

Schätzungen des DIW Berlin zufolge könnten die kumulierten Klimaschäden in Deutschland bis 2050 auf 900 Milliarden Euro ansteigen. Auf dem Extremwetterkongress im September 2026 in Hamburg forderte die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern, Städte konsequent nach dem Schwammstadt-Prinzip umzubauen, bei dem Regenwasser gespeichert und nicht in die Kanalisation abgeleitet wird, und den Landschaftswasserhaushalt zu stärken.

Aber auch Unternehmen können Klimaschutzmaßnahmen umsetzen, deren Wirkung mehr Geld spart, als die Investition kostet. Eine Risikoeinschätzung von Naturgefahren für Gebäude lässt sich mit Hilfe der zentralen Informationsplattform Elementa vornehmen, auf der Starkregen- und Hochwasserkarten sowie Angaben zu Hagelgefährdung in Deutschland gebündelt sind. Die Daten zu Sturzfluten, Hochwasser, Überschwemmungsgebieten und Starkregen stammen vom Deutschen Wetterdienst, der Bundesanstalt für Gewässerkunde, dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie sowie den Landesbehörden.

 

Da Wasser im Gebäude zahlreiche Schäden verursachen kann, ist Prävention der beste Schutz. Besonders in gefährdeten Regionen oder bei älteren Gebäuden lohnt sich eine Beratung durch eine Fachkraft für Hochwasserschutz. Aufschluss über das jeweilige Gefährdungspotential geben kommunale Gefahrenkarten. Ein stark erhöhtes Risiko besteht, wenn eine Immobilie bei der Überflutungshöhe in einem dunkelblauen Bereich liegt bzw. bei der Fließgeschwindigkeit im orange-roten Bereich.

 

Klimamodelle zeigen, dass mit steigenden Temperaturen die Zahl der Hagelereignisse zunehmen wird. In einigen Regionen drohen stärkere Schäden durch extreme Ereignisse mit Hagelkörnern von mehr als fünf Zentimetern Durchmesser. Da warme Luft mehr Feuchtigkeit speichern kann, steigt das Potential für heftige Gewitter mit Hagel. Durch die Erwärmung der Kontinente verschiebt sich die Nullgradgrenze in größere Höhen, wodurch die Hagelkörner auf ihrem Weg zur Erdoberfläche schneller schmelzen. Die durchschnittliche Korngröße nimmt zu, da größere Hagelkörner aufgrund ihrer höheren Masse und schnelleren Fallgeschwindigkeit eher den Boden erreichen.

 

In besonders gefährdeten Regionen kann es sich lohnen, beim Bau oder der Sanierung von Gebäuden neben Wind- und Schneelasten auch die Hagelsicherheit einzubeziehen. Im Rahmen der Risikobewertung ist zunächst anhand von regionalen Klimakarten und historischen Schadendaten die Hagelgefährdung des Standorts zu ermitteln, die Anhaltspunkte zur Beurteilung der möglichen Hagelintensität am Standort geben. Bei einer Gebäudesanierung sollte eine Bestandsanalyse der vorhandenen Bauteile hinsichtlich ihres Alters, Materials und ihrer geprüften Hagelwiderstandsfähigkeit erfolgen. Bei Bestandsgebäuden lassen sich dafür Liefernachweise und Produktspezifikationen heranziehen.

 

Bei einer Dachsanierung empfiehlt es sich, auf hagelrelevante Bauteile zu setzen, die hinsichtlich der Hagelwiderstandsklassen (HW) klassifiziert sind. Dachziegel, Metallabdeckungen, Dämmplatten sowie First- und Anschlussdetails können gezielt auf Hagelwiderstand ausgelegt werden. Auch für die darunterliegenden Schichten wie eine Aufsparrendämmung gibt es schlagfeste Varianten, die das Gebäudeinnere bei einem beschädigten Dach schützen.

In Regionen mit erhöhtem Hagelrisiko sollten in Hinblick auf die Versicherbarkeit und Schadenregulierung Photovoltaik-Module mit nachgewiesener Hagelwiderstandsklasse (HW) 4 oder 5 eingesetzt werden.

Auch Fassadenverkleidungen aus Putz, Klinker, Naturstein oder Verbundsystemen können durch Hagelschlag bauphysikalisch beschädigt werden. Eine herstellerübergreifende Übersicht geprüfter Produkte bietet das Bauteilregister.

Die Prüfung, Zertifizierung und Überwachung von Bauprodukten erfolgt durch spezialisierte Prüfinstitute. Am ift Rosenheim wird mit einer Hagelbeschussmaschine die Widerstandsfähigkeit von Bauelementen gegen Hagelbeschuss geprüft, um festzustellen, ob eine Glasfläche splittert, Aluminium Eindruckstellen bekommt oder Schäden an lackierten Holzoberflächen auftreten. Zu diesem Zweck werden Eiskugeln mit 20mm bis 80 mm Durchmesser mit entsprechendem Druck bis auf bis zu 30 Meter pro Sekunde beschleunigt und auf den Probekörper geschossen. Anhand des Ergebnisses wird ermittelt, ob die Widerstandsklassen 1 bis 5 erreicht werden.