Höherer Infektionsschutz mit Filter-Upgrade

Kinobetreiber*nnen, deren Klima- und Lüftungsanlage einen hohen Außenluftanteil zuführt, können aufatmen. Denn effektives Lüften ist die beste Option, um die Virenlast in Innenräumen zu verringern. Da Außenluft praktisch virenfrei ist, benötigt sie keine zusätzliche Filterung, die über die normalen hygienischen Anforderungen hinausgeht. Ein hoher Außenluftvolumenstrom kann die Virenkonzentration in der Raumluft und damit  das Infektionsrisiko reduzieren.

 

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin verweist in ihren Empfehlungen zum infektionsschutzgerechten Lüften darauf, dass es bei der Belüftung von Gebäudeinnenräumen durch Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) neben der Erhöhung der Außenluftzufuhr notwendig ist, die ordnungsgemäße Funktionsfähigkeit der Anlage zu überprüfen, notwendige Reparaturen zeitnah umzusetzen und die Filter regelmäßig auzustauschen. Hinzu kommt eine regelmäßige Instandhaltung, wie sie vom Anlagenhersteller vorgesehen ist.

 

Für Klima- und Lüftungsanlagen, die nur im Umluft- bzw. Mischluftbetrieb betrieben werden können, lautet die Empfehlung, zusätzliche effektive und effiziente Möglichkeiten der Reduktion luftgetragener Viren, insbesondere SARS-CoV-2, zu prüfen.

Bei RLT-Anlagen mit Umluftbetrieb sollte ein Filterupgrade durchgeführt werden, z.B. durch Austausch von Staubfiltern der Klasse F7 mit Filtern der Klassen ISO ePM1 70% (vormals F8) oder besser ISO ePM1 80% (vormals F9), sofern die Anlage die entsprechenden technischen Voraussetzungen dazu bietet. Sofern technisch möglich, ist die Aufrüstung mit Hochleistungsschwebstofffiltern (HEPA - H 13 oder H 14) generell zu bevorzugen. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Nach Einschätzung des Dipl.-Ingenieurs Andreas Kirchner, der den VDI-Arbeitskreis Umweltschutztechnik in Hamburg leitet, sind HEPA-Filter in der Umluft am effektivsten, wobei er H13 als ausreichend bewertet. „Der Einbau von H14-Filtern erweist sich aufgrund von Druckverhältnissen und der Ventilatorleistung in normalen RLT-Anlagen als schwierig“, erläutert der Umweltberater. Bei vielen Anlagen sei dies bereits mit H13 der Fall. „Diese Filter passen allerdings in ältere Anlagen, die über Leistungsreserven verfügen, welche nach unter heutigen Anforderungen als überdimensioniert gelten.“

 

Auch Filter der Klasse ISO ePM1 80% hielten bereits einen Großteil der Viren zurück. Dies sei vor allem der Fall, wenn noch eine zweite Filterstufe wie beispielsweise ISO ePM1 50% (vormals F7) davorgeschaltet werde. Diese Feinfilter können in den allermeisten Klima- und Lüftungsanlagen eingesetzt werden.

 

Bei den Untersuchungen verschiedener Feinfilterkombinationen in einem Lüftungsgerät sind Wissenschaftler des Hermann-Rietschel-Instituts (HRI), TU-Berlin, und des Umwelt-Campus Birkenfeld, Hochschule Trier zu dem Ergebnis gekommen, dass sich das Infektionsrisiko mit Coronaviren bereits erheblich mit Feinfiltern senken lässt, die in den meisten Klima- und Lüftungsanlagen eingesetzt werden  können. Demzufolge müssen Klima- und Lüftungsanlagen, die mit Umluft- bzw. Mischluft betrieben werden, nicht mit HEPA-Filtern ausgestattet sein, um die Virenlast effektiv zu reduzieren,

 

„Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist das Abscheiden von Aerosolpartikeln in raumlufttechnischen Anlagen von großer Bedeutung“, sagt Prof. Dr.-Ing. Christoph Kaup, Honorarprofessor am Umwelt-Campus Birkenfeld und Vorstandsvorsitzender des Fachverbands Gebäude-Klima e. V. „Oft werden HEPA-Filter, die ansonsten beispielsweise im OP-Bereich zum Einsatz kommen, als einzige Lösung dafür angesehen. Unsere Messungen haben ergeben, dass auch Feinfilter erheblich dazu beitragen können, die Partikelkonzentration in der für virenbeladene Aerosolpartikel kritischen Größenklasse von 0,3 bis 0,5 Mikrometer zu verringern.

 

Bei den Messungen schieden alle untersuchten Filter mindestens 50 Prozent der Partikel im Größenbereich von 0,3 bis 0,5 Mikrometer ab. Mit zwei hintereinander angeordneten Filtern stieg die Reduktion auf mindestens 75 Prozent, einige Kombinationen erreichten über 95 Prozent. In den Messungen am HRI wurden zwar nur Partikel ab 0,3 Mikrometer untersucht, für Aerosole im Bereich von 0,1 bis 0,25 Mikrometer wurden jedoch bei Messungen am ILK Dresden, Institut für Luft- und Kältetechnik gGmbH, Abscheidegrade in einer ähnlichen Größenordnung ermittelt.

 

Die Bundesförderung Corona-gerechte Um- und Aufrüstung von raumlufttechnischen Anlagen in öffentlichen Gebäuden und Versammlungsstätten, die auch Kommunalen Kinos offensteht, kann unter anderem für den Filterumbau oder Filterwechsel beantragt werden. Voraussetzung ist, dass die RLT-Anlage einen Regelvolumenstrom von mindestens 1.500 Kubikmeter pro Stunde aufweist. „Mit einem Filter-Upgrade”, resümiert Prof. Kaup, „lässt sich ein effektiver Beitrag zur Minderung des Infektionsrisikos erreichen.“