Sicherheit von RLT-Anlagen hinsichtlich Covid-19

Eine Übertragung von Corona-Viren durch Klima- und Lüftungsanlagen ist nach Einschätzung von Experten ausgeschlossen. Aus aktuellem Anlass haben der Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung (BTGA), der Fachverband Gebäude – Klima (FGK) und der RLT-Herstellerverband eine gemeinsame Stellungnahme dazu abgegeben und  ihre Empfehlungen zusammengefasst.

 

Um Raumlufttechnische (RLT) Anlagen sicher zu betreiben, sind regelmäßige Wartung und Instandhaltung eine entscheidende Voraussetzung. Dank der Filtration der Zuluft sorgen Klima- und Lüftungsanlagen bereits bei der Aufbereitung der Außenluft für ein hohes Maß an Sicherheit, denn kleine Partikel und Tropfen können je nach der eingesetzten Filterklasse in der Anlage abgeschieden werden.

Da es sich bei COVID-19 um eine primär über Tröpfchen verbreitete Infektion handelt (und nicht primär über die Luft übertragene Infektion), ist nach jetzigem Kenntnisstand nicht davon auszugehen, dass eine Weiterverbreitung von SARS- CoV-2 über betriebene Lüftungsanlagen erfolgt. Robert-Koch-Institut

Da eine Aerosolübertragung nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, empfehlen die  RLT-Fachverbände eine Lüftung mit einem möglichst hohen Außenluftanteil. Durch die Zufuhr von gefilterter Außenluft und den Abtransport belasteter Raumluft wird die Virenlast im Raum reduziert. Um diesen Verdünnungseffekt zu erhalten, sollten die Außenluftvolumenströme erhöht und die Umluftanteile reduziert werden.

 

Nicht zu empfehlen sei der Einsatz von Umluft ohne HEPA-Filter, erklärt Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. Hans-Martin Seipp vom TransMIT-Zentrum für Hygiene und technisches Gesundheitswesen an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Völlig sicher sei der Flexifilter HEPA H13, der speziell für die Reinigung großer Luftmengen geschaffen worden ist.

 

Dank der Filtrierung könnnen keine Tröpfchen, die das Corona-Virus enthalten könnten, über Außen- und Zuluftleitungen in die Räume eingetragen werden, wie die Fachverbände in ihrer Stellungnahme erläutern: “Abluftleitungen, die möglicherweise mit Tröpfchen belastete Abluft aus den Räumen aufnehmen, transportieren diese nicht in andere Bereiche, da die Systeme im Unterdruck betrieben werden und dadurch auch bei Leckagen der Leitungen keine Abluft entweichen kann.“

 

Durch Leckagen im RLT-Gerät und in der Wärmerückgewinnung (WRG) könne ein geringer Anteil der Abluft auf die Zuluft übertragen werden. In modernen Systemen werde dies verhindert, denn durch die Anordnung von Über- und Unterdruckbereichen könne auch durch Wärmerückgewinnungssysteme wie Rotoren keine Abluft auf die Zuluft übertragen werden. Bei einer getrennten Ausführung der Zu- und Abluftgeräte wie beispielsweise bei Kreislaufverbund-Systemen zur Wärmerückgewinnung könne die Übertragung von Abluftanteilen in die Zuluft ausgeschlossen werden.

 

Empfehlungen für den Betrieb von Klima- und Lüftungsanlagen

★ RLT-Anlagen mit Außenluft nicht abschalten; Außenluftvolumenströme nicht reduzieren, sondern möglichst erhöhen
★ Umluftanteile, soweit in den Anlagen vorhanden, zugunsten der Außenluftanteile reduzieren
★ Betriebszeiten der Anlagen gegebenenfalls vor und nach der regulären Nutzungszeit verlängern
★ Überströmung zwischen verschiedenen Nutzungseinheiten nach Möglichkeit minimieren
★ Wenn möglich, Filter mit höherem Abscheidegrad verwenden
★ Luftfeuchtigkeit nicht unter 35 % halten, möglichst über 40 %
★ Wartung der Anlagen sicherstellen und Leckagen minimieren

Raumlufttechnische Anlagen mit Befeuchtung sollen laut Expertenempfehlung auf eine Feuchte von 40 bis 60 % eingestellt werden, da die meisten saisonalen respiratorischen Viren im mittleren Feuchtebereich inaktiviert werden. Dies treffe nach neusten Erkenntnissen auch auf Corona-Viren zu. Generell werde die Infektanfälligkeit durch eine geeignete Luftfeuchte verringert. Da Tröpfchen bei zu trockener Luft durch Verdunstung stärker schrumpfen, bleiben sie länger schwebfähig, während Partikel bei einer höheren Luftfeuchtigkeit besser an Oberflächen haften und nicht so leicht aufgewirbelt werden.

 

Bei der Zuführung der Zuluft sorgen die Luftfilter der RLT- Anlagen für eine deutliche Reduzierung der Staub- und Aerosolkonzentration. Durch den Einsatz von Luftfiltern mit der Feinstaub-Klassifizierung ePM1 ≥ 60 % wird eine deutliche Reduzierung erreicht, da Viren an Partikeln haften oder in Tröpfchen gebunden sind. Generell gilt, umso kleiner Partikel sind, desto gefährlicher sind sie, da sie eingeatmet werden und über die Lungen bis in die Lungenbläschen und den Blutkreislauf gelangen. Eine regelmäßige Filterwartung sei unerlässlich, da Viren an Tröpfchen oder Staubpartikel gebunden sind und somit im Filtermaterial eingelagert werden.