Das Scala Kino in Warendorf setzt beim Popcorn auf regional angebauten Mais

Best Practice-Beispiel

Das Scala Filmtheater in Warendorf bezieht seinen Mais für die Popcornherstellung direkt von einem Bauernhof in der Region, der auf regenerativen Ackerbau setzt. Der Kinobetreiber Johannes Austermann und die Theaterleiterin Katharina Austermann sind über die sozialen Netzwerke auf den knapp 40 km entfernten Hof Selhorst aufmerksam geworden.

 

Johannes Austermann besuchte daraufhin den Hof in Ascheberg, wo auf den Maisfelder seit 2020 Puffmais angebaut wird. Zunächst gab es dort nur Butterflymais, den das Scala Filmtheater 2022 für die Popcornherstellung sondierte. „Der Butterflymais war uns für das Popcorn zu klein. Wir verwenden stets Mushroommais“, sagt Katharina Austermann. „Als dort Mushroommais angebaut und geerntet wurde, haben wir diesen getestet und für sehr gut befunden.“

 

Sowohl hinsichtlich der Verarbeitung als auch des Geschmacks ist der Mais mit den Produkten vergleichbar, die den Kinos von den Concession-Anbietern geliefert werden. Statt den Mais zu beziehen, der per Containerschiff aus Übersee transportiert wird, setzt das Kino-Team jetzt auf Selbstabholung. „Wir nehmen jeweils eine Tonne Mais mit“, erklärt Johannes Austermann. Da das Scala Filmtheater pro Jahr etwa zwei Tonnen Mais für die Popcornherstellung benötigt, fährt er zweimal im Jahr mit einem Transporter zu dem Hof im Münsterland.

Das Saatgut für den Mais aus dem Münsterland bezieht der Landwirt Christoph Selhorst von Seedforward, einem Unternehmen in Osnabrück, das an zukunftssicheren Verfahren für eine effiziente und nachhaltige Landwirtschaft arbeitet. Bei der Entwicklung kulturspezifischer Saatgutbehandlungen werden natürliche Wirk- und Nährstoffe als Additive eingesetzt, die zu einer stressstabilen Bestandsentwicklung der Pflanzen in allen Wachstumsphasen führen.

 

Dazu gehören eine stärkere Triebkraft und Keimfähigkeit sowie eine ausgeprägtere Bewurzelung, die für eine bessere Nährstoff- und Wasseraufnahme sorgt. Die vergrößerte Wurzeloberfläche bietet einen zusätzlichen Lebensraum für lebende Mikroorganismen, die das Pflanzenwachstum verbessern.

Der Popcornmais wird im Münsterland bei passenden Wetter- und Bodenbedingungen im April ausgesät. Da der Popcornmais über längere Zeit höhere Temperaturen benötigt, werden die Körner unter einer biologisch abbaubaren Folie aus Kartoffelstärke gegen Kälte geschützt. Die Ernte des Popcornmais erfolgt im Herbst. Dabei werden die Maiskolben mit einer Kolbenpflückmaschine gepflückt und von der Restpflanze befreit. Nach der Zwischenlagerung in einem Bunker wird der Mais auf einem Trocknungswagen getrocknet, bevor er gelagert und weiterverarbeitet werden kann.

 

Derzeit werden auf dem Hof Selhorst zwei Hektar Popcornmais angebaut. Das Scala Kino ist bislang der größte Abnehmer. Die Tonne Mais wird in einem riesigen Frischhaltesack gelagert und bleibt darin lang genug frisch. Dank dieser regionalen Produktions- und Lieferkette besitzt das Popcorn im Scala Filmtheater einen erheblich niedrigeren CO2-Fußabdruck als der Mais aus den USA.

Trotz dieser kurzen Wege ist der Einkaufspreis höher, weil das Produktionsvolumen weitaus geringer ausfällt. „Da der Einkaufspreis gestiegen ist, mussten wir auch den Verkaufspreis leicht erhöhen. Die Gewinnspanne ist dadurch gesunken“, sagt Katarina Austermann. Die Nachfrage hat hingegen zugenommen. Dank einem Beitrag im Regionalfernsehen besuchen noch mehr Gäste das Scala und kaufen Popcorn zum Mitnehmen. „Im Moment kommen jeden Tag Leute ins Kino und fragen nach dem regionalen Popcorn.“

 

Das Popcorn aus der Region wird mit einer Beach-Flag draußen vor dem Kino beworben. Im Foyer liegen Flyer mit Infomationen dazu aus. Auch auf den Popcorntüten und -eimern prangen Aufkleber mit einem entsprechenden Hinweis. Im Kinosaal werden die Besucher*innen mit einem 20-sekündigen Spot im Vorprogramm über das regionale Popcorn im Kino informiert, das auch andere Kinos bei Bedarf direkt vom Erzeuger beziehen können.