Im Zeichen des Grünen Kinos der FFA

Best Practice-Beispiele

Anlässlich der Berlinale war das Grüne Kino der FFA mit einer Veranstaltung in den Hackeschen Höfe-Kinos zu Gast, die den Auftakt der AG Kino-Screenings bildete. Mit den dort präsentierten Best Practice-Beispielen wurde die ganze Bandbreite an Möglichkeiten aufgezeigt, um Kinos energie- und ressourcensparender zu betreiben. Ruth Strecker, FFA-Kinoförderung, und Birgit Heidsiek, Grüne Kinoberaterin der FFA, konnten als Podiumsgäste Wolfram Weber, Inhaber des Cinecitta in Nürnberg, Ulrike Spann, Prokuristin des Hackeschen Höfe Kinos und Jörg Fritz, Inhaber der Saalbau Lichtspiele Heppenheim, begrüßen.

 

Mit dem Cinecitta in Nürnberg betreibt der Kinopionier Wolfram Weber das größte Multiplexkino in Deutschland, das über 25 Säle verfügt. Dank dem Einsatz von zwei Blockheizkraftwerken war es jahrelang möglich, den Strom mit günstigem Erdgas  für 10 ct/kWh inklusive Netzgebühren zu erzeugen. Mittlerweile sind die BHKWs dort nicht mehr in Betrieb. Stattdessen werden die Kinos mit einer Wasser-Wärmepumpe beheizt, die umgerüstet wurde, um damit im Winter heizen zu können. Das Heizregister ist auf eine Vorlaufemperatur von 60 bis 80 Grad ausgerichtet, die sich mit einer Wärmpepumpe nicht erreichen lässt. Deshalb wird im Winter der Kühlkreislauf als Wärmekreislauf genutzt. „Da die Spreizung bei der Kühlung viel geringer ist, können wir die Kinos mit 40 Grad Vorlauftemperatur heizen“, erklärt Wolfram Weber. „Das ist ein extrem effizientes System.“

 

Der Energieverbrauch im Cinecita lag 2019 bei 3,4 Milllionen Kilowattstunden im Jahr und konnte inzwischen auf unter zwei Milllionen kWh/a reduziert werden. Dazu beigetragen hat der Einsatz von Laserprojektoren, die nur einen Bruchteil der Energie benötigen, die Xenon-Projektoren mit ihrem hohen Kühlbedarf erfordern. Einen maßgeblichen Anteil an der Effizienzverbesserung von 40 Prozent besitzen die eingebauten Schaltmodule, die dafür sorgen, dass die Projektoren und Verstärkeranlagen erst zum Vorstellungsbeginn eingeschaltet werden. Finanziert worden ist das Automatisierungssystem mit Unterstützung der FFA-Kinoförderung.

Seit dem Sommer 2023 sind auf dem Dach und an den Wänden des Cinecitta 800 Photovoltaik-Module mit jeweils 405 Watt Leistung installiert. Damit lassen sich etwa 204.000 kWh/a produzieren, was elf Prozent des Stromverbrauchs des Kinos entspricht. Um noch mehr Strom aus Erneuerbaren Energien zu generieren, erwägt der Kinobetreiber den Bau eines Flusskraftwerks, mit dem sich 1,1 MWh erzeugen ließen. Bereits weitgehend energetisch autark aufgestellt sind die Nürnberger Arthousekinos Metropolis und Meisengeige, die Wolfram Weber mit Hilfe der FFA-Förderung mit einer Wärmepumpe, Photovoltaik-Anlage mit Stromspeicher, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Laserprojekoren ausgestattet hat.

 

Auf ein vergleichbares Energiekonzept hat Jörg Fritz, Inhaber der Saalbau Lichtspiele in Heppenheim, bei der Modernisierung seines hundert Jahre alten Kinos gesetzt. Bevor mit der Installation der technischen Gebäudeausrüstung begonnen werden konnte, musste zunächst der alte Holzboden im Keller entfernt und ein Estrich gesetzt werden. Dort befindet sich die neue Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, die über eine Lüftungsrate von 8.000 Kubikmeter/Stunde verfügt. Im Sommer kann die Frischluftanlage zum Kühlen verwendet werden.

 

Den Umstieg von Öl auf Strom hat eine Wärmepumpe mit 45 kW Leistung ermöglicht, die den 300 Platz großen Kinosaal beheizt. „Die Bergstraße ist die Riviera von Deutschland, denn dort gibt es nur fünf kalte Tage im Jahr“, sagt Jörg Fritz. „Da wir nicht wie bei einer Heizung 60 Grad warme Luft einblasen müssen, sondern nur über 20 Grad, ist eine Wärmepumpe funktional.“ Dafür wurden rund siebzig Meter Rohre verbaut und auf dem Dach Leitungen in isolierten Luftkanälen verlegt, um die Abluft vom Balkon abzusaugen. „Früher war es bei uns im Kino auf dem Balkon recht heiß und im Parkett wurden die Füße kalt“, sagt Jörg Fritz. „Das Schöne ist, dass jetzt im ganzen Kinosaal ein Wohlfühlgefühl herrscht, aber die ganze Techik nicht zu sehen ist.“

Wenn es um die Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen im Kino geht, sollte der Concession-Bereich nicht vergessen werden. Im Hackesche Höfe Kino setzt Ulrike Spann, die als Prokuristin gemeinsam mit Gerhard Groß das Kino betreibt, konsequent auf Abfallvermeidung. „Wir haben 2019 damit begonnen, unseren Abfall drastisch zu reduzieren“, betont Ulrike Spann. Knabbereien wie Nüsse und Lakritze werden in den Hackesche Höfe Kino ausschließlich in wieder verwendbaren Gläsern angeboten, die mit dem Kino-Label gekennzeichnet sind.

 

Die Kinobetreiberin achtet bereits bei der Beschaffung darauf, möglichst auf Verpackungsabfall zu verzichten. „Wir verkaufen KoRo-Produke und Lakritze von Berliner Unternehmen, denn unser Publikum fragt vegane und Bio-Produkte nach“, sagt Ulrik Spann. Die Gläser werden in zwei Größen angeboten und nach Gebrauch gespült. Da die Gäste die Gläser gerne mitnehmen, wird inzwischen ein Euro Pfand pro Glas erhoben.

 

„Die Abfallvermeidung kommt bei unseren Besucher*innen sehr gut an“, erklärt die Kinobetreiberin. Auch im Open Air-Kino in der Hasenheide schätzt das Publikum die originellen Mehrweglösungen, die zugleich eine hohe Praktikabilität besitzen. Der Wein wird in schlanken Gläsern mit Schraubverschluss ausgeschenkt, damit er nicht verschüttet werden kann. Auch dort gibt es eine Spülinfrastruktur vor Ort.