Einführung der Kreislaufwirtschaft in der Bauindustrie

Die Kreislaufwirtschaft soll auch in der Bauindustrie Einzug halten. Mit der bundesweit geltenden Mantelverordnung wird gesetzlich geregelt, dass Bau- und Abbruchabfälle in Zukunft seltener in Deponien landen, sondern stattdessen als Ersatzbaustoffe für neue Bauten dienen sollen. Die mineralischen Abfälle stellen mit rund 250 Millionen Tonnen jährlich den größten Abfallstrom in Deutschland dar.

 

Bau- und Abbruchabfälle, aber auch industrielle Nebenprodukte wie Flugaschen aus Kohlekraftwerken und Eisenhüttenschlacken verursachen etwa 60 Prozent des gesamten Abfallaufkommens in Deutschland. Die mineralischen Bauabfälle besitzen ein großes Recycling-Potenzial, denn durch die Verwendung dieser Ersatzbaustoffe können gigantische Mengen Primärbaustoffe gespart werden. Das schont zugleich die natürlichen Ressourcen, denn je mehr Baustoffe recycelt werden, desto weniger Flächen müssen für die Rohstoffgewinnung erschlossen werden.

 

Bislang gibt es in jedem der sechzehn Bundesländer eigene Regeln für den Umgang mit Bau- und Abbruchabfällen. Mit der Mantelverordnung, die nach über fünfzehn Jahren verabschiedet werden konnte, ist ein bundesweit geltendes Regelwerk für das Recycling von Baustoffen und die Beseitigung von Schadstoffen geschaffen worden. Das Kernstück der Mantelverordnung, die am 1. August 2023 in Kraft tritt, sind die Ersatzbaustoffverordnung (EBV) und die Neufassung der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV). Zudem sind die Deponieverordnung (DepV) sowie die Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) an die neu eingeführte Ersatzbaustoffverordnung angepasst worden.

Die Ersatzbaustoffverordnung stellt erstmals rechtsverbindliche Anforderungen an die Herstellung und den Einbau mineralischer Ersatzbaustoffe wie Recycling-Baustoffe aus Bau- und Abbruchabfällen, Bodenaushub, Baggergut sowie Aschen aus thermischen Prozessen. Durch die bestmögliche Verwertung von mineralischen Abfällen wie Bauschutt, Schlacken oder Gleisschotter soll der Grundwasser- und Bodenschutz sichergestellt werden. Die Mantelverordnung soll durch die Förderung der Ziele der Kreislaufwirtschaft sowie die Gewährleistung eines hohen Niveaus des Grundwasser- und Bodenschutzes einen wichtigen Beitrag zu einem verbesserten Schutz der Umwelt leisten.

 

Urban Mining, das die Gewinnung von Sekundärrohstoffen aus langlebigen Produkten, Gebäuden, Infrastrukturen und Ablagerungen bezeichnet, kann als strategischer Ansatz des Stoffstrommanagements helfen, die Potenziale der Kreislaufwirtschaft zu nutzen. Durch die Erschließung des Sekundärrohstoffaufkommens wird die Abhängigkeit von Importen reduziert. Den Untersuchungen des Umweltbundesamtes zufolge wird über die Hälfte der Stahlproduktion in Deutschland aus Altschrotten und Schrottabfällen gespeist. Durch die selektive Rückgewinnung von kritischen Technologiemetallen wie den seltenen Erden Neodym und Dysprosium, die beispielsweise in Generatoren von Windkraftanlagen zum Einsatz kommen, ließe sich die Importabhängigkeit mindern.

 

Die Bewältigung von Rohstoffknappheiten birgt zudem wirtschaftliche Vorteile, da Recycling die inländische Wertschöpfung erhöht und zu erheblichen Kosteneinsparungen im produzierenden Gewerbe führt. Urban Mining trägt sowohl zur Abfallbewältigung als auch zur ökologischen Entlastung bei. Allein der Primärenergieaufwand, der durch das Recycling von Kupfer, Stahl und Aluminium eingespart wird, beläuft sich auf fast drei Prozent des jährlichen Primärenergieverbrauchs Deutschlands.