Innovative Alternativen zu herkömmlicher Schokolade
Kakaofreie Schokoladen werden zunehmend als Alternative zu herkömmlicher Schokolade angeboten. Bei den Konsument*innen punkten diese Produkte aufgrund der ethischen und ökologischen Aspekte, aber auch wegen der stark gestiegenen Preise. Extremwetterereignisse haben zu schlechteren Kakaoernten und höheren Rohstoffkosten für Schokolade geführt. Immer mehr Unternehmen und Start-ups setzen inzwischen auf innovative Ersatzlösungen zu herkömmlicher Schokolade, die ohne den teuren Rohstoff Kakao auskommen, aber dennoch nach Schokolade schmecken.
Die kakaofreien Alternativ-Produkte dürfen nicht als Schokolade bezeichnet werden, da dieser Begriff rechtlich an eine definierte Menge von Kakao gebunden ist. Aus diesem Grunde müssen sie als „kakaofreie Schokoladen-Alternative“ gekennzeichnet werden. Das verstärkte Aufkommen der komplett kakaofreien schokoladenähnlichen Produkte resultiert aus der angespannten Wirtschaftslage in der Kakaobranche, denn die Einfuhrpreise für Kakaobohnen sowie für Kakaobutter, -fett und -öl sind 2024 um mehr als das Doppelte gestiegen. Im Mai 2025 lag der Weltmarktpreis für Kakao mehr als 100 Prozent höher als im Jahr 2022.
Zu dieser Preisentwicklung haben verschiedene Ursachen beigetragen. Einen maßgeblichen Anteil daran haben Extremwetterereignisse wie Überflutungen, Starkregen und Dürreperioden, die zu anbautechnischen Problemen und einer Verknappung des Angebots führen. Obwohl die internationalen Kakaopreise mittlerweile wieder etwas sinken, sind die Verbraucherpreise in Deutschland auf einem Rekordniveau geblieben. Viele Hersteller haben die Preise für eine Tafel Schokolade nahezu verdoppelt oder die Standardgröße für Schokoladentafeln von 100 Gramm auf 90 Gramm reduziert.
Als Alternative bringen verschiedene Startups komplett kakaofreie schokoladenähnliche Produkte auf den Markt. Bei der Produktion wird am traditionellen Herstellungsprozess von Schokolade festgehalten, um ein ähnliches Aroma zu erzielen. Dabei werden die Rohstoffe fermentiert, geröstet, conchiert und schließlich das Fett raffiniert. Bei diesem Prozess werden die Sonnenblumenkerne oder der Hafer wie Kakaobohnen behandelt und in mehreren Schritten zu einem aromatischen Konzentrat vermahlen. Dieses Konzentrat wird mit Zucker und pflanzlichen Fetten vermischt und die Masse conchiert. Beim Conchieren werden flüssige Massen lange gerührt und geknetet, um Festigkeit, Aromen und Inhaltsstoffe des Produktes zu verbessern.
Bei veganen Sorten wird das Milchpulver durch Sonnenblumenkernmehl ersetzt. Statt Kakaobutter werden Sojabohnen, Rapsöl oder Shea verwendet. Als Geschmackszutaten dienen Haselnüsse, Pfefferminze oder Marzipan. Damit die Verbraucher*innen die kakaofreien Schokoladen-Alternativen nicht mit klassischen Kakaoprodukten verwechseln, muss eine entsprechende Produktbeschreibung erfolgen, die von der amtlichen Lebensmittelüberwachung kontrolliert wird. Die Hersteller der Schoko-Alternativen grenzen sich bewusst von den auf Kakaobasis hergestellten Produkten ab, indem sie bei der Vermarktung die geringere CO₂-Bilanz, den kleineren Wasserfußabdruck sowie die Unabhängigkeit von tropischen Lieferketten hervorheben.
Mit der Produktion einer 100 g-Schokoladentafel ist ein Wasserverbrauch von 1.700 Litern verbunden, was einer Menge von rund elf Badewannenfüllungen entspricht. Der hohe Wasserbedarf von Kakaopflanzen resultiert daraus, dass diese als Gewächse aus den tropischen Regenwäldern einen schattigen Standort und ausreichend Wasser benötigen. Der Anbau von Kakaopflanzen auf Plantagen erfordert eine dementsprechend starke Bewässerung.
Für den Anbau von Kakaopflanzen wird tropischer Regenwald abgeholzt. Zwischen 1988 und 2008 sind weltweit drei Millionen Hektar Regenwald gewichen, um Platz für Plantagen zu schaffen. In Ghana, einem Hauptanbaugebiet für Kakao, beläuft sich der Regenwaldverlust auf über achtzig Prozent. Damit gehen nicht nur wertvolle Kohlenstoffsenken verloren, sondern bei der Rodung wird zudem der in den Bäumen gespeicherte Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt. Das wirkt sich negativ auf die Ökobilanz von Schokolade aus.
Der CO₂-Fußabdruck von klassischer Schokolade ist von der Rezeptur abhängig. Während für vegane Schokolade 9,6 kg CO₂/kg angesetzt werden, hat dunkle Schokolade mit 15,2 kg CO₂/kg eine wesentlich höhere Auswirkung auf das Klima. Die kakaofreie Schokoladen-Alternative besitzen einen wesentlich niedrigeren CO₂-Fußabdruck, der bei 2,4 kg CO₂/kg liegt und bei der veganen Variante sogar nur 1,3 kg CO₂/kg beträgt.
Laut dem Statistischen Bundesamt liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Schokolade in Deutschland im Schnitt bei 13,6 kg im Jahr, was rund 2,6 Tafeln pro Woche entspricht.
Insbesondere Schokolade verursacht mehr CO₂ pro Kilogramm als als viele andere Lebensmittel, denn ihr CO₂-Fußabdruck ist sechsmal so groß wie der von Milch. Für Kinos, die den Dokumentarfilm The Chocolate War über ausbeuterische Kinderarbeit auf Kakaoplantagen in Westafrika zeigen, ist eine kakaofreie Schokoladen-Alternative an der Concession-Theke auf jeden Fall das konsequentere Angebot.

