Klimaanpassung im Gebäudesektor
Der fortschreitende Klimawandel erfordert sowohl im Gebäudebestand als auch im Neubau Maßnahmen zur Anpassung an neue klimatische Bedingungen. Immer intensiver auftretende Extremereignisse wie Hitze, Starkregen, Flusshochwasser, Sturm, Hagel und Gewitter stellen eine Herausforderung für die Bauwirtschaft dar, da viele bestehende Gebäude noch nicht darauf ausgelegt sind, dem klimatischen Wandel standzuhalten. Das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos hat im Auftrag des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes und des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel eine Studie erstellt, die Maßnahmen zur Anpassung des Gebäudebestands aufzeigt.
Im Zeitraum 2000 bis 2021 sind in Deutschland durch Extremwetterereignisse Schäden in Höhe von insgesamt 144 Mrd. Euro entstanden. Zu den direkten Kosten wie Gebäudeschäden aufgrund von Überschwemmungen oder Ernteverlusten in der Landwirtschaft durch Dürre kommen indirekte Kosten hinzu, die unter anderem durch Lieferkettenunterbrechungen entstehen.
Bis zum Jahr 2050 könnten sich die volkswirtschaftlichen Folgeschäden auf bis zu 470 Mrd. Euro belaufen, sofern keine Anpassungsmaßnahmen an Gebäuden und Infrastruktur erfolgen.
Da die Auswirkungen des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten durch den derzeit weiter ansteigenden CO2-Ausstoß noch intensiver werden, wie der sechste Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC 2022) konstatiert, muss eine Anpassung an diese Auswirkungen erfolgen.
Im Rahmen der Studie sind zwei Szenarien entwickelt worden. Im Fall eines leichten Klimawandels, bei dem vor allem eine Resilienz der Gebäude gegen Starkregen gefordert ist, wird der Investitionsbedarf für die Anpassung bestehender Gebäude an Klimafolgen bis 2035 auf 137 Milliarden Euro beziffert. Im Szenario eines starken Klimawandels, bei dem Hitze als Haupttreiber fungiert, wird der Investitionsbedarf auf 237 Milliarden Euro geschätzt. Die Grundlage für diese Studie bildet eine umfassende Datenanalyse der bestehenden Gebäudestrukturen und Klimaszenarien. Die Investitions- und Zeitaufwände für notwendige Anpassungsmaßnahmen bis zum Jahr 2035 wurden mittels quantitativer Modellierung ermittelt.
Für die Klimaanpassung von Bestandsgebäuden und Neubauten, sind entsprechende Maßnahmen definiert worden. Da ansteigende Temperaturen und verlängerte Hitzeperioden zu einer extremen Aufheizung bebauter Räume führen können, müssen Neubauten bereits heute hohe Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz erfüllen. Ziel ist, die solaren Wärmeaufnahme zu reduzieren, die thermische Speicherkapazität sowie die Wärmeableitung von Bauteilen zu verbessern. Eine wirksame Außendämmung aus einem mehrschichtigen Aufbau aus Dämmstoff, Armierungsschicht und Putzschicht reduziert nicht nur Wärmeverluste im Winter, sondern fungiert auch als Barriere gegen den Eintritt von Wärme im Sommer. Die isolierende Wirkung verzögert den Wärmedurchgang von außen nach innen, so dass ein schnelles Aufheizen der Wandinnenflächen an heißen Tagen verringert wird.
Eine Grünfassade verbessert nicht nur die thermische Speicherkapazität und leitet Wärme ab, sondern die Substrat- und Pflanzenschicht auf der Fassadenoberfläche schützt zudem vor direkter Sonneneinstrahlung und verhindert damit die starke Aufheizung der Außenwände und Innenräume. Zudem kommt es durch die Pflanzen zu Verdunstungsprozessen, die lokal kühlend wirken. Während sich bodengebundene Begrünungen mit Rankpflanzen einfach und kostengünstig realisieren lassen, erfordern systemgebundene Fassadenbegrünungen eine sorgfältige technische Prüfung. Neben der Begrünung von Fassaden lässt sich auch mit einem Gründach die Hitzebelastung in Gebäuden durch die Kombination aus Verschattung, Verdunstung und thermischer Pufferung reduzieren.
Zunehmende Starkregenereignisse infolge des Klimawandels gefährden insbesondere tieferliegende Zugänge, wenn das anfallende Regenwasser nicht ausreichend kontrolliert abgeleitet werden kann.
Die wirksamen Anpassungsmaßnahmen zum Schutz vor Starkregen und Hochwasser lassen sich in drei Kategorien einteilen. Ein geringer Anpassungsbedarf sieht präventive Schutzmaßnahmen wie eine Erhöhung der Tür- und Lichtschachtschwellen vor, um das Risiko von Wassereintritt zu minimieren. Ein mittlerer Anpassungsbedarf beinhaltet Schutzmaßnahmen wie beispielsweise Rückstauklappen, die verhindern, dass Abwasser bei Starkregenereignissen aus einem überlasteten öffentlichen Kanalnetz zurück ins Gebäude gedrückt wird.
In starkregen- oder hochwassergefährdeten Gebieten empfiehlt sich zudem der Einbau von Spezialkellerfenstern mit druckwasserdichter Ausführung. Eine wirkungsvolle Maßnahme, um das Risiko von Wasserschäden an tiefliegenden Räumen zu reduzieren, stellt die Entsiegelung von Grundstücksflächen dar. Ein hoher Anpassungsbedarf besteht, wenn in hochwassergefährdeten Gebieten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Wassereintritt in das Gebäude erfolgt. Ein wesentliches Element stellt die Abdichtung erdberührter Bauteile durch eine „Schwarze Wanne“ oder „Weiße Wanne“ dar, die das Gebäude gegen nichtdrückendes oder drückendes Wasser schützt. Zusätzlich empfiehlt es, das untere Stockwerk mit feuchteunempfindlichen Boden- und Wandbelägen auszustatten.
Prinzipiell können alle außen liegenden und der Witterung ausgesetzten Bauteile an Gebäuden durch Hagel und Sturm beschädigt werden. Besonders Dachflächen sind durch intensive Hagel- und Sturmereignisse gefährdet, durch die Wasser in das Gebäude eindringen und Dämmstoffe, Holzkonstruktionen oder die Innenräume beschädigen, was langfristig zu einer Schimmelbildung führen kann. Starke Böen können Dachziegel wegreißen, während Hagel Glasbruch verursachen kann. Durch die Installation von Sturmklammern ist es möglich, Winddruck- und Sogwirkungen abzufangen. Zum Schutz vor Hagelereignissen wird empfohlen, direkt unter den Dachziegeln Hagelgitter aus Metall zu montieren.
Neben Starkregen, Sturm und Hagel kann auch ein Blitzschlag erheblichen Schaden anrichten, wenn es zu Überspannungen in der elektrischen Hausinstallation kommt und dort Sicherungen, Leitungen oder Schaltanlagen zerstört werden. Schutz gewährt ein äußeres Blitzschutzsystem, das den Blitzstrom kontrolliert über Fangeinrichtungen abfängt und gezielt in eine Erdungsanlage leitet. Ergänzt wird das äußere System durch Überspannungsschutzgeräte, die in einzelne Stromkreise eingebaut werden und bei einem Blitzeinschlag die überschüssige Energie über einen Erdungsweg ableiten, so dass sie keine Schäden in der empfindlichen Elektronik verursachen kann. Für empfindliche Endgeräte wie Server ist ein Überspannungsschutz Typ 3 (Feinschutz) notwendig. Blitzableiter und Überspannungsschutz sind elementar, da bereits ein einziger Schadensfall hohe Folgekosten verursachen kann.

